Zum Inhalt [I]
Zur Navigation [N]
Kontakt [C] Aktuelles [2] Suchfunktion [4]
Podium Foto Kuhn1.jpg

pax christi

menschen machen frieden - mach mit.

Unser Name ist Programm: der Friede Christi. 

pax christi ist eine ökumenische Friedensbewegung in der katholischen Kirche. Sie verbindet Gebet und Aktion und arbeitet in der Tradition der Friedenslehre des II. Vatikanischen Konzils. 

Der pax christi Deutsche Sektion e.V. ist Mitglied des weltweiten Friedensnetzes Pax Christi International.

Entstanden ist die pax christi-Bewegung am Ende des II. Weltkrieges, als französische Christinnen und Christen ihren deutschen Schwestern und Brüdern zur Versöhnung die Hand reichten. 

» Alle Informationen zur Deutschen Sektion von pax christi

2015: Tagung Der Krieg, die Kirchen und die Pazifisten

Die ökumenische Tagung "Der Krieg, die Kirchen und die Pazifisten" in Freiburg beschäftigte sich vom 16.-17. Januar 2015 mit der Aktualität und Bedeutung Max Josef Metzgers

Der Friedensvisionär, Ökumeniker und Märtyrer Max Josef Metzger (1887-1944) stand im Mittelpunkt einer Tagung, die der Diözesanverband von pax christi kürzlich unter dem Titel „Der Krieg, die Kirchen und die Pazifisten“ an der Katholischen Akademie in Freiburg veranstaltet hat.

Anlässe für die Veranstaltung, die pax christi in Zusammenarbeit mit dem Forum Friedensethik in der Evangelischen Landeskirche durchführte, waren das Gedenken an den Beginn des Ersten Weltkrieg vor 100 Jahren sowie der diözesane Abschluss des Seligsprechungsverfahrens für Max Josef Metzger im vergangenen Jahr. Zudem sollte vor diesem Hintergrund die Tagung eine Brücke schlagen zu den Fragen, die sich im Zusammenhang mit den aktuellen politischen Entwicklungen des Jahres 2014 ergeben: die Fragen von Gewalt und Gewaltlosigkeit als ein ökumenisches Thema angesichts aktueller Konflikte wie der Ukrainekrise oder den Kriegen im Irak und in Syrien. Auch stand die Frage zur Debatte, welche Art von Verantwortung Deutschland angesichts seiner Vergangenheit aber auch angesichts seiner gewachsenen Bedeutung heute tragen soll.

Und während es im vergangenen Gedenkjahr in zahlreichen Veranstaltungen und Veröffentlichungen hauptsächlich um die Frage ging, wie es zum "Großen Krieg" kam, wer dafür die Verantwortung trug und welche Folgen er nach sich zog, legte die Tagung bewusst einen Fokus auf die Frage, welche Friedensversuche es vor rund 100 Jahren gerade hier in der Südwestecke Deutschlands auch gab. Denn schließlich überschnitten sich ausgerechnet hier auf dem Gebiet der Erzdiözese Freiburg einst die Anfänge einer christlichen Friedensbewegung mit dem persönlichen Schicksal eines ihrer bedeutendsten Protagonisten: Mit dem Schicksal des Freiburger Diözesanpriesters Max Josef Metzger (1887-1944) aus Schopfheim.

Wie kam es zu diesen christlichen Friedensbewegungen und -bemühungen, wo waren ihre Stärken und Schwächen, welche Rolle spielte dabei Max Josef Metzger und welche Schlüsse kann man für die heutige Friedensbewegung daraus ziehen? Diesen Fragen stellten sich fast 100 Teilnehmer an diesem Januarwochenende in der Aula der Katholischen Akademie Freiburg.

Vor dem Hintergrund des Ersten Weltkriegs muss man konstatieren, dass die Geschichte der christlichen Friedensbemühungen auch am Oberrhein leider eine Geschichte des Scheiterns war, wie es die Freiburger Kirchenhistorikerin Barbara Henze in ihrem Einführungsreferat auf den Punkt brachte. Zum einen, weil es zu wenige waren, die sich um Frieden bemühten; zum anderen, weil die Stimmung sowohl im Elsaß als auch in Baden eben für Krieg war, so Barbara Henze.

Zu diesen wenigen gehörte Max Josef Metzger, der sowohl bei dem 1914 in Konstanz gegründeten Versöhnungsbund als auch bei dem 1919 in München gegründeten Friedensbund Deutscher Katholiken (FDK) eine bedeutende Rolle spielte. Auch veröffentlichte er im Februar 1917 ein Internationales Friedensprogramm, indem er „das Ende des nutzlosen Blutvergießens auf den Schlachtfeldern“ sowie „das Aufgeben des sinnlosen Wettrüstens“ forderte.

Dabei hatte sich Metzger 1914 zunächst der allgemeinen Kriegsbegeisterung angeschlossen und sich zu Beginn des Ersten Weltkriegs noch freiwillig zur Truppe gemeldet, wo er dann als Feldgeistlicher in den Kämpfen am Hartmannsweiler Kopf im Elsaß eingesetzt wurde.

Doch mehr und mehr reifte in Max Josef Metzger die Einsicht, dass das gegenseitige und tagtägliche Morden derjenigen, die sich auf beiden Seiten ja als Christen verstanden, nicht mit der Lehre Jesu Christi vereinbar ist, wie der Leiter des Erzbischöflichen Priesterseminars Freiburg „Collegium Borromäum“, Christian Heß, in seinem Referat über das Leben und Wirken Max Josef Metzgers darlegte.

Für Metzger sei es ein großes Ärgernis gewesen, dass dieser Krieg auf dem Boden des christlichen Abendlandes ausgetragen wurde, so Heß. Denn ausgerechnet hier, wo doch eigentlich die Bergpredigt Jesu gelebt werden sollte, zogen die deutschen Truppen im August 1914 unter dem Jubel der überwiegend christlichen Bevölkerung und dem Läuten der Kirchenglocken zum Kampf aus. Moralisch unterstützt wurde der Krieg von kirchlicher Seite auch deshalb, weil die nationalen Kirchen der Meinung waren, der Krieg stärke den Glauben und fülle die Kirchenbänke, meinte Christian Heß. Eine Meinung, die im Gegensatz zur Auffassung des damaligen Papstes, Benedikt XV., stand, der im Krieg lediglich eine "grauenhaft nutzlose Schlächterei" erkannte.

Tragischer weise versäumten es die Kirchen nach dem Krieg weitestgehend, dieses dunkle Kapitel ihrer jüngsten Geschichte aufzuarbeiten. Denn die Fehler von damals sollten sich schon bald wiederholen…

Max Josef Metzger hingegen erkannte inmitten der Krise der Weimarer Republik sehr wohl bereits neue Gefährdungen für einen dauerhaften Frieden in Europa, die von revisionistischen Bestrebungen innerhalb der deutschen Gesellschaft ausgingen. Explizit bezog er in seiner Kritik auch religiös motivierte Rechtfertigungen von Kriegshandlungen mit ein, erklärte Christian Heß.

Deutlich wurde auf der Freiburger Tagung auch, dass Max Josef Metzgerdavon überzeugt war, dass christliche Friedensarbeit nur dann glaubhaft sein und gelingen kann, wenn die Christenheit mit einer Stimme spricht, ja eins ist. Deshalb engagierte er sich für die Una-Sancta-Bewegung und deshalb forderte er – übrigens ebenso wie der heute weit besser bekannte evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer - schon frühzeitig die Überwindung der Glaubensspaltung und trat für ein ökumenisches Konzil ein; eine Forderung, die in einer Zeit, in der den Katholiken die Teilnahme an ökumenischen Versammlungen verboten war, unerhört erscheinen musste.

Und so war Max Josef Metzgers Selbsteinschätzung, wie er sie im August 1943 in einem seiner letzten Briefe aus der Todeszelle festhielt, sowohl hinsichtlich seiner Friedensbemühungen als auch hinsichtlich seines Engagements für die Ökumene zutreffend: „Es ist immer mein Verhängnis gewesen, dass ich der Zeit etwas voraus war und daher nicht verstanden werden konnte“ so der zum Tode Verurteilte, der vor seinem Martyrium am 17. April 1944 Gott sein Leben angeboten hatte "für den Frieden der Welt und die Einheit der Kirche".

Wie wir heute wissen, wurde Metzgers Vision von einer ökumenischen, geschwisterlichen und friedensstiftenden Christenheit ein Stück weit Wirklichkeit, wie Oberkirchenrätin Karen Hinrichs von der Evangelischen Landeskirche in Baden in ihrem Referat aufzeigen konnte.

Bereits auf dem Weltkongress des Ökumenischen Rates der Kirchen 1948 in Amsterdam stellten die Teilnehmer fest: "Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein". Und der „Konziliare Prozess für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung“ formulierte ganz im Sinne Max Josef Metzgers, dass Frieden nicht nur die Abwesenheit von Krieg, sondern zuallererst die Realisierung von Gerechtigkeit sei. Schließlich war es wiederum der Ökumenische Rat der Kirchen, der sogar meinte: „Als Christen fühlen wir uns berechtigt, die Gewalt abzulehnen“, wie Karen Hinrichs erinnerte.

Also Krieg vorbei, Versöhnung erreicht und die Kirchen auf dem Weg zum Pazifismus?  Nicht ganz.

Denn von einer una sancta kann bei allen Fortschritten in der Ökumene auch heute noch kaum die Rede sein. Und im Blick auf die Evangelische Kirche in Deutschland konstatierte Karen Hinrichs, dass aus Sicht der EKD zur Friedenssicherung und Konfliktbewältigung zwar gewaltfreie Konfliktlösungen vorrangig zu suchen seien, der Einsatz militärischer Mittel als „ultima ratio“ jedoch legitim bleibe, wie es in einer Denkschrift aus dem Jahr 2007 heißt. Im Gegensatz zu den großen Kirchen lehnten aktuell nur die Friedenskirchen wie beispielsweise die Mennoniten grundsätzlich jegliche Militäreinsätze ab, so ihre Beobachtung.

Doch ausgerechnet aus der Evangelischen Landeskirche von Baden ist aktuell ein neuer friedensethischer Impuls zu vernehmen. So wurde im Jahr 2011 die badische Landessynode von der Basis aus dem evangelischen Kirchenbezirk Breisgau-Hochschwarzwald dazu aufgefordert, gewaltfreie und gewaltarme Strategien zur Konfliktlösung zu erarbeiten, erläuterte Karen Hinrichs.

Der nach einem Konsultationsprozess schließlich daraus entstehende Beschluss der badischen Landessynode "Kirche des gerechten Friedens werden" aus dem Jahr 2013 setzte schließlich ein über die Landeskirche hinaus beachtetes friedensethisches Ausrufezeichen, an deren Umsetzung die Landeskirche seitdem arbeitet.

Für den Journalisten Andreas Zumach ist dies eine Initiative, dessen Kernanliegen, nämlich die Überwindung militärischer Gewalt, er durchaus teilt und die er bei seinem Statement  zu würdigen weiß. Dennoch plädiert er in seinem Referat „Neue Macht, neue Verantwortung, neue Feindbilder?“, bei dem er über die aktuellen Konflikte der letzten 20 Jahre von Ruanda und Srebrenica bis hin zu den heutigen kriegerischen Auseinandersetzungen im Irak und in Syrien sowie in der Ukraine spricht, unter anderem dafür, in Fällen, wie beispielsweise im Kampf gegen den „Islamischen Staat“ den drohenden Völkermord unter anderem auch durch einen „robusten Einsatz“ von 40 000 - 50 000 gut ausgerüsteten UN-Soldaten zu verhindern: „Mit Bin Laden oder den Taliban konnte man vielleicht noch reden", so Zumach, aber "mit dem 'IS' kann man nicht reden“, so seine Überzeugung.

Ziel einer nachhaltigen Friedenspolitik müsse es vor allen Dingen aber sein, dass "nicht noch mehr junge Leute von den Extremisten angezogen bzw. rekrutiert werden", so der Journalist aus Genf.

Und was wird aus der Friedensbewegung?

Für Andreas Zumach, der selbst aus der Friedensbewegung kommt, hat diese nur dann eine Zukunft, wenn es ihr gelingt, "ein bis zwei Themen" zu finden, mit denen strategische Kampagnen möglich sind. Doch selbst angesichts einer so berechtigten wie wichtigen und auch breit aufgestellten Kampagne wie die der „Aktion Aufschrei“ gegen Rüstungsexporte hegt er Zweifel, ob aus der Friedensbewegung je wieder eine politische Massenbewegung entstehen wird.

Für die Kirchenhistorikerin Barbara Henze kommt es für die Friedensbewegung auch weniger auf die "Masse" an, als vielmehr darauf, dass es einerseits immer wichtiger werde, andere Player aus der Zivilgesellschaft, in diesem Fall aus der Ökologie- und Gerechtigkeitsbewegung, anzusprechen und für die eignen Anliegen zu gewinnen. Und andererseits komme es mehr denn je auch darauf an, mit der je eigenen Sachkompetenz auch an den richtigen Schnittstellen vertreten zu sein.

Karen Hinrichs, die Max Josef Metzger zuvor nicht kannte und ihn auf der Tagung als jemand wahrgenommen hatte, der eher als Einzelkämpfer agierte und letztlich noch zu wenig vernetzt war, plädierte ebenfalls dafür, sich immer wieder neu Verbündete im Kampf für den Frieden zu suchen. Und sich dann auch die Expertise derjenigen zu holen, die sich in einem der friedensrelevanten Themen besser auskennen, als man selbst.

Für Christian Heß schließlich, der über Max Josef Metzger gerade seine Promotionsarbeit abgeschlossen hat, besteht Metzgers Bedeutung für heute in dem, was sein Freund Alfons Beil vor 30 Jahren über ihn sagte: dass er nämlich ein Mensch war, der trotz allem nicht resigniert hat und der bis zuletzt gehofft hat - wider alle Hoffnung. Ihn selbst lehre Metzger aber auch, sich etwas zu trauen und dann auch dazu zu stehen, wenn man es als richtig erkannt hat. Eine Haltung, die sicherlich heute wie damals gefordert ist.