Impuls zum 28. Juni 2026
Von Beate Denfeld (Bad Homburg) Geistliche Beirätin pax christi Rhein-Main
Als Berufene gemeinsam glauben und verkünden
Petrus und Paulus haben einen gemeinsamen Festtag. Beide repräsentieren auf unterschiedliche Weise die Anfänge der Kirche, die um ihre Identität und Ausrichtung ringt, was nicht immer ohne Konflikte vonstattengeht. Die beiden Apostel zeigen, dass die Kirche Unterschiede, ja Gegensätze aushält. Für die Einheit der Kirche war es wichtig, das Gemeinsame der beiden Exponenten hervorzuheben und sie am selben Tag zu feiern. In diesem Impuls sollen auch die ersten Christinnen erwähnt werden, ohne die Petrus und Paulus ihre Gemeinden nicht hätten aufbauen und leiten können. Petrus und Paulus sind starke, zum Teil gegensätzliche Führungspersönlichkeiten. Beide sind Juden, doch während Petrus als einfacher Fischer im Kernland Israels lebt, stammt Paulus aus einer gebildeten Schicht in der jüdischen Diaspora, ist römischer Bürger und mit der griechischen Kultur vertraut. Petrus gilt als der Erste der Apostel, Paulus ist gewissermaßen der Letzte, der Fremde, da er erst in der nachösterlichen Zeit zum Kreis der Zwölf stößt.
Gedanken zur Lesung und zu zwei Evangelien
Lesung: Gal 1,10-20
Im Brief an die Galater betont Paulus sehr selbstbewusst sein Berufensein durch Gott. „Ich erkläre euch, Brüder und Schwestern: Das Evangelium, das ich verkündet habe, stammt nicht von Menschen; ich habe es ja nicht von einem Menschen übernommen oder gelernt, sondern durch eine Offenbarung Jesu Christi empfangen.“ Gal 1,11.12 Paulus geht es nicht um innerweltlichen Erfolg oder um die Anerkennung durch andere Menschen. Ihm war es wichtig, die Frohe Botschaft, die sein Leben grundlegend verändert hat, „unter den Völkern zu verkünden“. Gal 1,16b
Evangelium: Mt 16,13-19
Petrus und seinen Jüngern wird ein Bekenntnis abverlangt. „Für wen halten die Menschen den Menschensohn?“ Mt 16,13b Simon Petrus antwortet: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!“ Im Aussprechen des Messiasbekenntnisses erkennt Petrus seinen Auftrag zur Verkündigung.
Evangelium: Joh 11,19-27
Maria und Martha gehörten zu den Frauen im Freundeskreis Jesu. Oft wird übersehen, welche Glaubensstärke sie besaßen. Martha formuliert ein Bekenntnis zu Jesus dem Christus, das dem des Petrus gleicht . „Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll. “ Joh 11,27
Petrinisches, Paulinisches, und Magdalenisches Prinzip
Man spricht vom Petrinischen und vom Paulinischen Prinzip. Petrus gilt als Stabilitätsanker, als Wahrer der Institution. Paulus als Visionär, der in die damalige Welt aufgebrochen ist, ein Kosmopolit mit einer Sprache, die die Menschen in ihrem jeweiligen Kontext verstanden. Maria Magdalena verkündete den Jüngern die Botschaft von der Auferstehung und ermutigte sie, sich auf den Weg zu machen. Die gleichwertige Berufung von Frauen wird als Magdalenisches Prinzip verstanden. Paulus hätte kaum so erfolgreich arbeiten können ohne das Engagement der Frauen. Ein Drittel seiner namentlich genannten Mitarbeiterinnen sind Frauen: Röm 16,1-16 Lydia, Evodia, Syntyche, Priska , Phoebe und viele andere waren Ohr und Sprachrohr für die Frohe Botschaft. Lydia, eine wohlhabende mazedonische Purpurhändlerin gilt als erste namentlich bekannte Christin Europas. Sie war begeistert von der Verkündigung des Paulus, ließ sich und ihre Angehörigen taufen, lud Paulus und seinen Begleiter Silas in ihr Haus in Philippi ein und leitete die erste Gemeinde auf dem europäischen Festland.Apg 16,40 Nach Maria, der Mutter Jesu, gehört Lydia zu den bedeutendsten Frauen des Neuen Testaments.
Berufungen – Aufträge für unsere Zeit
Was keiner wagt, das sollt Ihr wagen, was keiner sagt, das sagt heraus, was keiner denkt, das wagt zu denken, was keiner ausführt, das führt aus.
©Lothar Zennetti (1926-2019)
Bischof Georg Bätzing betont in seinen Ansprachen, dass Gott Menschen auch heute dazu aufruft, in einer zunehmend säkularisierten Gesellschaft Verantwortung zu übernehmen. Er ermutigt die Gläubigen , ihre "Glaubenshaut" geschmeidig zu halten und den christlichen Glauben aktiv in den Alltag einzubringen, ähnlich wie es zur Pflege der Körperhaut nötig ist.
© Bischof Georg Bätzing; Chrisammesse am 26.03.2024
Als pax christi-Gemeinschaft mit unterschiedlichen Berufungsgeschichten und unterschiedlichen Fähigkeiten sind wir dazu aufgerufen, die Hoffnung auf ein Leben in Frieden und Gerechtigkeit wachzuhalten und an einer besseren und gerechteren Welt mitzuarbeiten.
Gebet
Guter Gott,
wenn wir selbst entmutigt sind und unsere Kraft nicht reicht, verkrustete Strukturen zu verlebendigen, uns für Frieden und Gerechtigkeit einzusetzen und so zu wirken, wie die Geistkraft uns antreibt, so stärke uns, auch durch unsere Schwestern und Brüder im Glauben, durch die Erinnerung an sie, damit wir immer mehr in Jesu Geist leben und als Glieder an seinem Leib lebendig sind. Verbunden mit den starken Frauen und Männern der frühen Kirche erbitten wir Deinen Segen: Segne unsere Ohren und Herzen mit Offenheit, unsere Augen mit Klarheit und einem liebevollen Blick für deine Menschen und deine Schöpfung, unsere Hände mit Tatkraft, unsere Füße mit Schwung, unser Herz mit Mut und Weite.
Amen.
© Katholisches Bibelwerk e.V.