Zum Inhalt [I]
Zur Navigation [N]
Kontakt [C] Aktuelles [2] Suchfunktion [4]
Titelfoto.JPG

pax christi

menschen machen frieden - mach mit.

Unser Name ist Programm: der Friede Christi. 

pax christi ist eine ökumenische Friedensbewegung in der katholischen Kirche. Sie verbindet Gebet und Aktion und arbeitet in der Tradition der Friedenslehre des II. Vatikanischen Konzils. 

Der pax christi Deutsche Sektion e.V. ist Mitglied des weltweiten Friedensnetzes Pax Christi International.

Entstanden ist die pax christi-Bewegung am Ende des II. Weltkrieges, als französische Christinnen und Christen ihren deutschen Schwestern und Brüdern zur Versöhnung die Hand reichten. 

» Alle Informationen zur Deutschen Sektion von pax christi

Lesungen unter den Linden – Lindenberger Friedensgespräche

28. Jul 2026

mit Prof. Dr. Wolfgang Palaver (Präsident von Pax Christi Österreich/em. Professor für Christliche Gesellschaftslehre, Innsbruck)

Nein, es sollte mit dem Gast aus Österreich an diesem Sonntagnachmittag auf dem Lindenberg bei St. Peter nicht um seine Bekanntschaft (nicht Freundschaft!) mit dem Tech-Unternehmer und Milliardär Peter Thiel gehen, aufgrund dessen Wolfgang Palaver in letzter Zeit einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde.

Vielmehr sollte es mit dem Präsidenten von pax christi Österreich und emeritierten Professor für Christliche Gesellschaftslehre in Innsbruck darum gehen, was „In Zeiten des Krieges von Gandhi und Mandela (zu) lernen“ sei. Darüber hatte er kürzlich schließlich ein Buch geschrieben und genau so lautet auch der Untertitel seines aktuellen Werkes mit dem Titel „Für den Frieden kämpfen“, das er am 26. Juli rund 50 Interessierten vor der Wallfahrtskirche „unter den Linden“ vorstellte.

Tatsächlich habe dieser Buchtitel auch seine Berechtigung, so Wolfgang Palaver im Gespräch mit Alexander Foitzik von der Katholischen Akademie. Denn Jesus sei kein Leisetreter, sondern vielmehr ein kämpferischer Mensch gewesen. Tragischerweise sei das „Widersteht nicht dem Bösen“ der Bergpredigt (Mt.5,39 ff.) in der Vergangenheit (so u.a. auch bei dem Soziologen Max Weber) fälschlicherweise oft als Unterwürfigkeit unter das Böse missverstanden und gelebt worden.

Sowohl Mahatma Gandhi als auch Nelson Mandela hätten jedoch erkannt, dass es Jesus weder um einen blinden bzw. absoluten Pazifismus ging, der angesichts von Ungerechtigkeit und Unterdrückung passiv bleibt, noch darum, Gerechtigkeit mit Gewalt durchzusetzen. Vielmehr lehre Jesu Leben einen dritten Weg zwischen Angriff und Rückzug, nämlich den der „aktiven Gewaltfreiheit“ („Satyagraha“).

Bei „aktiver Gewaltfreiheit“ gehe es darum, auf physische Gewalt oder Vergeltung zu verzichten und sich somit nicht den Methoden des Angreifers oder Unterdrückers anzugleichen bzw. sich derer zu bedienen. Sowohl von Gandhi als auch von Mandela könne man lernen, dass Gewalt immer ansteckend sei – bis hin zur Existenz vernichtenden Eskalation, so Wolfgang Palaver.

Vielmehr gehe es bei „aktiver Gewaltfreiheit“ darum, einen dritten Weg des Widerstands, eben den Weg Jesus zu suchen. Ganz so, wie er in der Bergpredigt beispielhaft aufgezeigt werde. Und so zeigte der Präsident von pax christi in Österreich anschaulich, dass seine linke Wange hinhalten (V. 39), aber auch den Mantel verschenken (V. 40) bzw. zwei Meilen für einen Soldaten zu buckeln statt einer (V. 41), konkrete Beispiele für diesen dritten Weg Jesu sein können (vgl. auch die Darstellungen des US-amerikanischen Neutestamentlers Walter Wink in: „Verwandlung der Mächte. Eine Theologie der Gewaltfreiheit“)

Wann aber beginnt Gewalt? Für Gandhi jedenfalls gebe es abgestufte Grade der Gewalt, so Wolfgang Palaver. In diesem Zusammenhang kann der Gast aus Österreich seine Sympathie für den „relativen Pazifisten“ und Berliner Philosophen Olaf Müller nicht verbergen. Als „relativer“ oder „pragmatischer“ Pazifist setze dieser der aktuellen Militarisierung der NATO seine Suche nach friedlicheren, defensiveren und weniger aggressiven Alternativen entgegen. So plädiere Müller beispielsweise in Punkto Wiedereinführung der Wehrpflicht dafür, als Alternative dazu keinen Zivildienst in Altenheimen oder Krankenhäusern einzuführen, sondern stattdessen die Möglichkeit einzuräumen, das Land mit den friedlichen, gewaltfreien Mitteln des zivilen Widerstands zu verteidigen. Olaf Müller geht es also um den systematischen Aufbau einer sozialen Verteidigung als Alternative zum möglichen Dienst an der Waffe.

Was aber ist die Aufgabe der Kirchen und Glaubensgemeinschaften in Konflikten? Für Wolfgang Palaver steht fest, dass diese den „messianischen Frieden“, wie er – im Gegensatz zum dort ebenfalls beschriebenen „gewaltbewehrten Frieden“ – im Alten Testament verkündet wird, präsent zu halten und vorzuleben hätten. Dieses anzumahnen, dafür war der Lindenberg sicherlich nicht der schlechteste Ort.

 

Die Veranstaltungsreihe „Lesungen unter den Linden“ setzt fort, was im Jubiläumsjahres „110 Jahre Exerzitienhaus Maria Lindenberg“ 2025 im Rahmen seines Programms „Friedensarbeit und Exerzitien“ begonnen wurde.

Die Lesung mit Professor Wolfgang Palaver (Wolfgang Palaver: Für den Frieden kämpfen. In Zeiten des Krieges von Gandhi und Mandela lernen, Tyrolia, Innsbruck 2024) war nach der Veranstaltung mit Dr. Markus Weingardt im Juni die zweite von drei „Lesungen unter Linden – Lindenberger Friedensgespräche“ des dem Fachbereich Friedensbildung und pax christi im Erzbischöflichen Seelsorgeamt Freiburg in Zusammenarbeit mit der Katholischen Akademie und mit „Friedensarbeit und Exerzitien“ im Haus Maria Lindenberg/St. Peter.

Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von Christoph Wirtz an der Klarinette.

Weiterer Termin:

Sonntag, 30. August: Prof. Dr. Sr. Margareta Gruber OSF (Kongregation der Franziskanerinnen von Sießen, Professorin für Neutestamentliche Exegese und Biblische Theologie in Vallendar); musikalische Gestaltung durch den Projektchor „Wandern und Singen“.